Thema Zwangsbejagung: Immer mehr Grundstücke in Deutschland werden jagdfrei

Durch die neue Gesetzeslage in Deutschland aufgrund der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zulasten der deutschen Jagdgenossenschaften werden in Deutschland immer mehr Grundstücke von den Behörden jagdfrei gestellt. Zwar gibt es noch einige Behörden, welche sich die neue Rechtslage noch nicht so richtig verinnerlichen wollen und meinen Mandanten Steine in den Weg legen. So gibt es bisher jedoch kaum ablehnende Bescheide. Stattdessen werde nahezu wöchentlich Grundstücke meiner Mandanten jagdfrei gestellt, weil diese die Jagd aus ethischen Gründen ablehnen. Auch halten sich die Gebühren für die entsprechenden Bescheide in Grenzen, nachdem viele Antragsteller im Vorfeld durch die Androhung von hohen Gebühren dazu gedrängt werden sollten, ihren Antrag wieder zurückzunehmen.

Für was meine Mandanten und ich früher belächelt wurden und was als Utopie bezeichnet wurde, nämlich die Jäger auf seinen eigenen Flächen von der Jagd ausschließen zu können, ist durch das jahrelange Engagement von Jagdgegnern zur Realität geworden.

Dies ist auch dringend notwendig für unsere gestressten Wildtiere, deren Rückzugsräume ohnehin immer kleiner werden und dann auch noch in diesen von Jägern gestresst und abgeknallt werden.

Auch aus ökologischen Gesichtspunkten ist das Vorgehen meiner Mandanten begrüßenswert:

Selbst der Jäger Dr. Daniel Hoffmann, sog. Jagdexperte vom Deutschen Jagdschutzverband e.V., sagte in der Öffentlichen Anhörung zur Änderung jagdrechtlicher Vorschriften (17/12046) des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz am 20.02.2013 zum Thema „Wildverbiss“ wörtlich:

Wilddichte alleine ist auch nicht verantwortlich, ob viel verbissen wird oder wenig. Da spielt auch Ruhe eine ganz entscheidende Rolle.“

Diese Auffassung vertritt ebenso der renommierte Zoologe Prof. Dr. Josef Reichholf im Bayerischen Fernsehen („Unser Land“ vom 16.11.2012). Danach sei das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte längst überfällig:

Für das Wild ist das Urteil gut, weil es da und dort Ruhezonen schafft, die das Wild bei uns dringend braucht.“

Ruhezonen könnten die gefürchteten Wildschäden vermindern:

Weniger Jagddruck, mehr Ruhezone, bedeutet für das Wild weniger Energieausgabe. Also muss es weniger Nahrung zu sich nehmen, weil es weniger herumwandern muss. Was es frisst, entnimmt es verstärkt der Ruhezone. Dadurch werden die angrenzenden Flächen eher entlastet als durch das Wild belastet.“

Und genau diese Ruhezonen für Wildtiere, welche die Gefahren von Wildverbiss sogar verringern (die Gefahren von Wildunfällen übrigens auch), möchten meine Mandanten und viele andere Grundstückseigentümer in Deutschland schaffen.

All dies wird mittelfristig zur Abschaffung der für den Naturhaushalt so schädlichen Jagd führen, weil das sog. Revierprinzip durch die vielen Austritte von Grundstückseigentümern über kurz oder lang nicht mehr zu halten sein wird. Auch Jägerfunktionäre reden daher bereits von der „schrittweisen Abschaffung der Jagd“.

Dass die Politik hierzu viel zu feige ist und jeder Fortschritt auf diesem Gebiet von Bürgerinnen und Bürgern hart erkämpft werden muss, ist leider bezeichnend für unseren Staat.

Lesen Sie hierzu auch:

Pressemitteilung: Verfassungsbeschwerden gegen neues Bundesjagdgesetz eingereicht

Änderung des Bundesjagdgesetzes

Mehr Information zu diesem Thema finden Sie unter der Kategorie „Jagdzwang ade„.

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