Verwaltungsgericht Würzburg: Baustopp für Windkraftanlage in Unterfranken

Für eine Mandantin, die einen landwirtschaftlichen Betrieb u.a. mit hochwertigen Spalierobstanlagen im biologischen Anbau unterhält, konnte in letzter Minute die Fertigstellung einer knapp 190 Meter hohen Windenergieanlage in unmittelbarer Nachbarschaft verhindert werden. In dem Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes hat die 4. Kammer des Verwaltungsgerichts Würzburg mit Beschluss vom 10. Juli 2014 (W 4 S 14.613) die aufschiebende Wirkung der Klage meiner Mandantin gegen den am 1. Juli 2014 mit Sofortvollzug versehenen immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsbescheid des Landratsamts Würzburg vom 26. September 2013 wiederhergestellt.

Lesen Sie mehr dazu [hier].

Es ist schon erstaunlich, dass eine fast 190 Meter hohe Windenergieanlage bei drastischer Unterschreitung der gesetzlichen Abstandsflächen fast unmittelbar an die Grundstücksgrenzen zu einer hochwertigen Spalierobstanlage ohne Nachbarbeteiligung gebaut wird und sich dabei auch noch herausstellt, dass die insoweit erteilte immissionsschutzrechtliche Genehmigung in etlichen Punkten rechtswidrig ist.

Lesen Sie hierzu den Beschluss des Verwaltungsgerichts Würzburg im Wortlaut.

Hier können Sie die Pressemitteilung des Verwaltungsgerichts Würzburg lesen.

Der Beschluss des Verwaltungsgerichts vom 10. Juli 2014 ist noch nicht rechtskräftig.

Fazit: Windkraft um jeden Preis muss wirklich nicht sein, insbesondere wenn das Gebot der Rücksichtnahme so schwer verletzt wird wie hier.

Nach einer neuen Machbarkeitsstudie des Umweltbundesamtes zu den Wirkungen von Infraschall dürfte übrigens feststehen, dass die gegenwärtigen Grenzwerte bei Windenergieanlagen nicht ausreichen, weil die Gefahren, die vom Infraschall ausgehen, bisher unterschätzt wurden (vgl. Machbarkeitsstudie zu Wirkungen von Infraschall – Entwicklung von Untersuchungsdesigns für die Ermittlung der Auswirkungen von Infraschall auf den Menschen durch unterschiedliche Quellen, Herausgeber: UBA, Juni 2014).

Diese Publikation ist ausschließlich als Download unter

http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/machbarkeitsstudie-zu-wirkungen-von-infraschall

verfügbar.

In der Publikation heißt es auf Seite 13:

„Die Bewertung und Beurteilung von tieffrequenten Geräuschen erfolgt derzeit in Deutschland nach der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) in der Fassung von 1998 zusammen mit der DIN 45680 „Messung und Bewertung tieffrequenter Geräuschimmissionen in der Nachbarschaft“ von 1997. Diese Regelungen berücksichtigen nur Geräuschanteile, die eine definierte (mittlere) Hörschwelle überschreiten. Jedoch wird zunehmend in der Öffentlichkeit auf das als unzureichend erlebte Schutzniveau bei tieffrequenten Immissionen Bezug genommen und eine stärkere Begrenzung gefordert. Die mögliche enge kausale Bindung von akustischer Wahrnehmbarkeit (Hörschwelle) und Belästigungserleben muss dahin gehend überdacht werden, dass es Personen mit abgesenkter Hörschwelle gibt. Gerade bei tiefen Frequenzen ist die Dynamik zwischen gerade wahrnehmbaren Geräuschen und der Schmerzschwelle im Vergleich zu den mittleren Frequenzen des Hörbereichs geringer. Es ist deshalb zu vermuten, dass bei Personen mit abgesenkter Hörschwelle bereits Belästigungen auftreten können, obwohl die mittlere Hörkurve noch nicht überschritten wird.“

Hieraus wird ersichtlich, dass in Deutschland wieder einmal eine Technik verbreitet wird, deren „Nebenwirkungen“ bisher noch nicht wirklich erforscht wurden und die sich plötzlich als viel gefährlicher herausstellt, als dies über viele Jahre angenommen wurde.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Alle Beiträge, Natur & Tiere, Windindustrie. Fügen Sie den permalink zu Ihren Favoriten hinzu.