Pressemitteilung: Bayerisches Landwirtschaftsministerium billigt Verstöße gegen das Jagdrecht – Maßnahmen der Schalenwildbejagung sind nicht vom Jagdrecht gedeckt

Der bayerische Landwirtschaftsminister Brunner bezeichnet die Wildschweinzunahme als „dramatisch“ und plädiert für „mehr revierübergreifende Jagden, bei denen auch Hunde und Treiber zum Einsatz kommen sollen“ (ddp, 23.11.2009). Doch sind im Freistaat revierübergreifende Jagden, denen vor allem auch Rehe zum Opfer fallen, überhaupt zulässig?

Revierübergreifende Großjagden bedürften Gesetzesänderung

Nein, nach der gegenwärtigen Gesetzeslage in Bayern sind sie das nicht. In der Bundesrepublik Deutschland gilt das Reviersystem, d.h. die Bejagung wird innerhalb eines Jagdreviers vorgenommen. Für revierübergreifende Jagden gibt es keine Gesetzesgrundlage. Folgerichtig hat z.B. der Gesetzgeber in Rheinland-Pfalz sein Jagdgesetz als erstes Bundesland entsprechend geändert und darin ausdrücklich aufgenommen, dass Hegegemeinschaften auch „jagdbezirksübergreifende Bejagungen“ durchführen können. Zwar gibt es in Bayern auch Hegegemeinschaften, doch sieht das bayerische Jagdrecht noch vor, dass diese nur revierübergreifende Hegemaßnahmen durchführen dürfen. Da das deutsche Jagdrecht zwischen Hege und Jagdausübung unterscheidet, bedarf die Durchführung von revierübergreifenden Treib- und Drückjagden so wie in Rheinland-Pfalz geschehen einer Änderung des Landesjagdgesetzes. Doch dies ist in Bayern noch nicht geschehen. Die revierübergreifenden Jagden, für die der Landwirtschaftsminister plädiert, sind somit völlig eindeutig rechtswidrig.

Revierübergreifende Großjagden verstoßen auch gegen das Tierschutzgesetz

Nach Aussage von etlichen Jagdausübungsberechtigten kann bei großen Bewegungsjagden von einem weidgerechten Tod der Tiere in vielen Fällen nicht die Rede sein. Bei Bewegungsjagden werden zahlreiche Tiere nur angeschossen. Die Nachsuche – sofern sie überhaupt stattfindet – dauert zumeist Stunden oder Tage. Viele Tiere verenden somit unter grausamsten Qualen. Bei den revierübergreifenden Treib- und Drückjagden werden zudem die Sozialstrukturen der Tiere auseinandergesprengt. Jungtiere verlieren ihre Eltern und sind meist ebenfalls dem Tod geweiht. Ein wesentlicher Teil der Jägerschaft sieht daher die so genannten revierübergreifenden Treib- und Drückjagden aufgrund tierschutzrechtlicher Erwägungen nicht als weidgerecht an. Im Editorial der auflagenstarken Jägerzeitschrift „Wild und Hund“ werden die Teilnehmer an revierübergreifenden Bewegungsjagden als „Totmacher“ bezeichnet. Die Zeitschrift spricht dabei sogar von einer „Schande“. (Quelle: „Wild und Hund“, Ausgabe 1 /2010)

Jäger wollen nicht „Totmacher“ für Waldbesitzer sein

Viele Jäger machen an den staatlich inszenierten Tiermassakern nicht mit. Sie wollen Verstöße gegen das Tierschutzgesetz nicht in Kauf nehmen. Sie wollen nicht nur „Totmacher“ in Form einer so genannten „Dienstleistung“ für Waldbesitzer sein, nur damit die Holzwirtschaft ihre größtmöglichen Gewinne und Subventionen einfahren kann. Das Profitstreben der Holzlobby ist derart grenzenlos, dass „Schalenwild“ – also Rehe, Hirsche und Wildschweine – flächendeckend aus den Wäldern verschwinden soll. Dabei gibt es keinen hinreichenden wissenschaftlichen Beweis, inwieweit diese Wildtiere einem gesunden Wald im Weg stehen. Die staatlichen Vegetationsgutachten benennen nicht die Anzahl der unverbissenen Pflanzen pro Hektar. Die Gutachten verschweigen somit, dass selbst bei einem starken Verbiss die unverbissenen Bäume ausreichen, damit ein gesunder Wald nachwachsen kann.

Dennoch finden zur Zeit – vor allem in den bayerischen Staatsforsten – riesige „Säuberungsaktionen“ statt, bei denen Tausende von Rehen, Hirschen und Wildschweinen – zum Teil grausamst – getötet und ihre Sozialstrukturen zerstört werden. Und dies geschieht unter der tierverachtenden Doktrin „Wald vor Wild“, die alle Parteien und sogar die Naturschutzverbände ungeprüft von der Holzlobby übernommen haben – und was nach Ansicht von vielen Jägern und Tierschützern nichts anderes heißt als „Geldgier vor Wald und Tier“.

Zahlreiche Tierschutzorganisationen schlagen Alarm

„Das ist ein Fall für die Staatsanwaltschaft“, kritisiert Rechtsanwalt Dominik Storr die rechtswidrige Jagdpraxis des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums, das gleichzeitig die höchste Jagdbehörde in Bayern ist, scharf. „Wenn Hundertschaften von Jägern illegale Jagden durchführen, in deren Zuge Spaziergänger und Autofahrer stark gefährdet und Tiere völlig unnötig gehetzt und gequält werden, dann sprengt das den Rechtsstaat“, so der Anwalt. Rechtsanwalt Storr wurde von zahlreichen Tierschutzorganisationen – darunter Peta Deutschland e.V. – beauftragt, gegen die illegale Bejagung des Schalenwildes alle juristischen Mittel auszuschöpfen.

Neustadt, den 4.11.2010

Rechtsanwalt
Dominik Storr

Hier finden Sie mein Schreiben an den Landwirtschaftsminister Brunner

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