– Pressemitteilung – Jäger erschießt zwei Hütehunde mit Schrot – Strafverhandlung vor dem Amtsgericht Freising

„Es war ein Schock für die ganze Familie“, sagt Frau Christine Neumaier, die Halterin der beiden jungen Hütehunde. „Schließlich waren unsere Hunde Familienmitglieder. Vor allem meine Kinder sind bis heute unglaublich traurig darüber“, so Frau Neumaier weiter. Die Kinder können nicht verstehen, wie ein Mensch ihre geliebten Spielgefährten töten konnte. Ein Jäger hatte am 18.10.2008 die beiden Hütehunde in 85408 Gammelsdorf brutal mit Schrot erschossen – mit der Behauptung, die Jäger in so einem Fall immer vorbringen: angeblich hätten die Hunde gewildert. Doch Fragen über Fragen türmten sich in dem seit über einem Jahr andauernden Ermittlungsverfahren auf.

Tötung erfolgte in Ortschaft

So steht nun fest, dass zumindest einer der Hunde im befriedeten Bezirk – also innerhalb einer Ortschaft – getötet worden ist. Dort hätte überhaupt nicht gejagt werden dürfen. Der andere Hund wurde angeblich im Wald erlegt. Da einer der Hunde dem Jäger enteilt war, wurde dieser mit dem Auto verfolgt und in einer Ortschaft gestellt und dort mit einem Schrot-Fangschuss aus nächster Nähe hingerichtet; damit die Untat nicht aufliegt, vermutet Frau Neumaier nicht ganz zu Unrecht. Denn nach der Tat wurden beide Hunde still und heimlich vergraben; vorhandene Zeugen wurden eingeschüchtert.

Verlust des Jagdscheins?

Rechtsanwalt Dominik Storr, der Frau Neumaier vertritt, vermutet, dass die Hunde von dem Jäger treu nach dem Motto der drei „S“ („Schießen, Schaufeln, Schweigen“) um die Ecke gebracht wurden. „Dieser Slogan ist in Jägerkreisen weit verbreitet, denn in den seltensten Fällen ist die Tötung von Hunden gerechtfertigt. Die Jäger geben all dies in den diversen Jagdforen im Internet auch noch freimütig zu“, so der Rechtsanwalt der Hundehalterin. Bei der Strafzumessung müsse strafschärfend berücksichtigt werden, dass das Maß der Pflichtwidrigkeit gemessen an den Sorgfaltspflichten eines Jagdausübungsberechtigten völlig unerträglich sei: Einem fremden Haustier in einem befriedeten Bezirk, wo Menschen wohnen und in dem die Jagd ruht, mit einer geladenen Schusswaffe nachzustellen und dieses zu töten, müsse zum Entzug des Jagdscheins führen. Bei einer Verurteilung des Jägers zu einer Geldstrafe von mindestens 60 Tagessätzen wird gesetzlich vermutet, dass der Jäger nicht die erforderliche Zuverlässigkeit für einen Jagdschein besitzt. „Eine Verurteilung unter 60 Tagessätzen wäre ein Freibrief für weitere verantwortungslose Taten des Jägers“, so Rechtsanwalt Storr. Der Ausgang des Verfahrens wird daher mit Spannung erwartet.

Lesen Sie hierzu auch den Artikel in der Abendzeitung.

Viele Printmedien haben über diesen Fall berichtet.

Anmerkung:
Der Jäger wurde zu einer Geldstrafe in Höhe von 2.400,00 Euro verurteilt. Sehen Sie hierzu den Fernsehbericht von SAT1.

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