Die Hobbyjagd fordert in Deutschland mehr Tote als der Terrorismus – mein offener Brief an den Bundesinnenminister Schäuble

Sehr geehrter Herr Dr. Schäuble,

wussten Sie, dass von der Hobbyjagd eine größere Gefahr ausgeht als vom Terrorismus? In der Bundesrepublik Deutschland werden jedes Jahr deutlich mehr Menschen von Hobbyjägern bedroht, verletzt oder gar erschossen, als dies beim Terrorismus der Fall ist.

In Werningerode/Harz bedrohte Anfang Dezember 2008 ein Jäger die Mitarbeiter des Finanzamts. Die Polizei stellte drei Gewehre, 60 Schuss Munition und ein Kilogramm Schwarzpulver sicher (Goslarsche Zeitung, 12.12.2008). Im saarländischen Schiffweiler erschoss ein Jäger am 5. November erst seine Ehefrau, anschließend sich selbst (sol.de, 7.11.2008). Im niedersächsischen Jesteburg erschoss ein Jäger zuerst seine Ex-Freundin, dann den Hund und danach sich selbst (Harburger Nachrichten, 2.10.2008). In Frankfurt/Main übte ein Jäger Selbstjustiz und erschoss einen Mann, der nachts offenbar in eine Kleingartenanlage einbrechen wollte (Hessischer Rundfunk, 18.8.2008). Im Main-Kinzing-Kreis (Hessen) erschoss ein Jäger seinen Nachbarn, mit dem er verfeindet war (Frankfurter Rundschau, 11.6.2008). Nach einem Streit erschoss ein angetrunkener Jäger einen Kneipengast in einem Hagener Ausflugslokal (Kölner Express, 06.01.2008). In Oberfranken schoss ein alkoholisierter Jäger nach der Kirchweih auf Jugendliche (Frankenpost, 26.8.2008). Bei Ulm bedrohte ein Jäger eine Reiterin mit Gewehr im Anschlag (Augsburger Allgemeine, 7.08.08). In Köln schoss ein betrunkener Jäger auf Spaziergänger (Kölner Express, 16.6.2008). Immer wieder war die Meldung zu lesen, dass ein Jäger auf ein Auto schoss die Insassen entgingen knapp der Katastrophe (z.B. Prima Sonntag, 16.3.2008).

Und immer wieder gab es Berichte von Jägern, die drohten, ihre Ehefrau oder Lebensgefährtin zu erschießen zweimal rettete ein Einsatzkommando der Polizei den betroffenen Frauen das Leben (Generalanzeiger Bonn, 15.03.2008; Neue Westfälische, 04.07.2008). Beim Weihnachtsessen erschoss sich ein Jäger vor den Augen seiner Familie er hatte „Russisch Roulette“ gespielt (dcrs-online.com, 29.12.2008). In Verden erschoss ein Jäger nach der Jagd beim Hantieren mit der Waffe einen anderen (presseportal.de, 1.12.2008). Mitte September wurde bei einer Wildschweinjagd in Mecklenburg-Vorpommern ein Jäger erschossen (WELT, 22.9.2008). Wenige Tage zuvor wurde Vize-Chef des Landesbauernverbands Brandenburg durch einen Kopfschuss tödlich verletzt (ddp, 18.9.08). Am 30.12.2008 geriet ein Jäger nach der Jagd an den Sicherungshebel seiner Flinte, wobei seinem Nebenmann ins Bein geschossen wurde (Kreispolizeibehörde Viersen, presseportal.de, 30.12.2008). Am 10.11.2008 traf ein Jäger statt eines Kaninchens einen Mann aus Spelle ins Bein, der sich am Wurftaubenschießstand befand (www.ivz-online.de, 10.11.2008). Am 25.10.2008 meldete die Schwäbische Zeitung, dass bei einer Treibjagd statt einem Wildschwein ein Treiber getroffen wurde. Im westfälischen Hofgeismar wurde Mitte Oktober ein Jäger statt einem Wildschwein getroffen und lebensgefährlich verletzt er liegt im Koma (HNA, 15.10.2008). Anfang Oktober wurde bei einem Jagdunfall im Müritzlandkreis ein Jäger schwer verletzt (MVregio, 6.10.2008). Mitte Oktober ermittelte die Polizei in Teltow-Fläming gegen Jäger wegen Schüssen auf eine Gaststätte (www.bild.de, 21.10.2008).

Aber auch im neuen Jahr überschlagen sich schon wieder die Meldungen über Vorfälle, bei denen Menschen von Jäger getötet wurden.

So wurden zum Beispiel am 10. Januar zwei Menschen erschossen. Jäger hatten sie bei Treib- und Drückjagden mit Wildschweinen verwechselt. Am 9. Januar geriet ein Hund beim Spaziergang in eine Jägerfalle – beim Versuch, das Tier zu befreien, zertrümmerte der Fangbügel die Hand des Herrchens. Bei einer Treibjagd an der A 391 bei Braunschweig flüchteten Wildschweine auf die Fahrbahn eine Gefahr für den Verkehr. Beim Silvesterlauf in Bad Kreuznach schoss ein Jäger zweimal auf ein Wildschwein am Wegesrand und gefährdete die Läufer ein Augenzeuge berichtet, dass er nur 15 Meter entfernt gewesen sei. Und im nordrhein-westfälischen Werl wurde kurz vor Silvester ein Ehepaar beim Spaziergang durch Querschläger einer Treibjagd verletzt.

Da somit in Deutschland nachweislich mehr Unheil von Jägern ausgeht, müssten Sie sich als Bundesminister des Innern doch folgerichtig für ein sofortiges Verbot der Hobbyjagd in Deutschland einsetzen. Immerhin kommen in Deutschland mehr Menschen durch Jäger um als durch den sogenannten Terrorismus.

Ich bitte Sie, mir mitzuteilen, was Sie gegen die Gefahren, die von Jägern ausgehen, bisher unternommen haben und künftig unternehmen werden.

Ich freue mich auf Ihre geschätzte Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

Dominik Storr
Rechtsanwalt

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